Auf einer sich beträchtlich über die Flussniederung
der Alster erhebenden Uferterrasse des westlichen Alsterufers in Duvenstedt steht das Wohnhaus.
* Paul Lichtwark und Alfred Lichtwark, erster Direktor der
Hamburger Kunsthalle,
waren Cousins.
Ihre Väter waren
Brüder.
(Siehe auch -Historie- ).* Das Gartengrundstück nordwestlich des Hauses zeigt noch Reste des
alten Bauerngartens ( alte Buchsbaumhecke, alte Kastanie, Obstbäume ). Das Grundstück liegt in Ecklage an der Einmündung des
Specksaalredders in den Duvenstedter Damm, in unmittelbarer Nähe des Alsterübergangs
( Einmündung des Duvenstedter Triftweges ) und bietet sich in seiner
beherrschenden Position besonders dem vom Süden Kommenden als Blickpunkt. Das
Gebäude selbst, Baujahr um 1900 *( 1884 )* , ein eingeschossiger, traufständiger
verputzter Backsteinbau mit Zwerchhaus, folgt einem im ländlichen Bereich
gängigen Bautyp, wie er vielerorts zu finden ist. Man würde hier auf dem
Dorfe eigentlich einen Backsteinrohbau erwarten. Ich interpretiere den Putz
als Versuch, eine städtische Gepflogenheit beim Villenbau als repräsentative
Bauweise für den ländlichen bereich aufzunehmen. Bemerkenswert ist die
Tatsache, dass statt Mörtel Lehm verwendet wurde. Dieses Material in der
angegebenen Verwendung entspricht einem für die Bauzeit altertümlichen, im
19.Jahrhundert auch in der Stadt verbreiteten Usus. Zu
den repräsentativen Elementen passt die dem Eingang vorgelagerte Freitreppe,
deren Stufenbreite nach unten zunimmt und deren Treppenwangen "
barock " ausschwingen. Dieses Element ist später durch einen Altan über
dem Haupteingang ergänzt worden, zu dem ein Zugang aus dem Zwerghaus des
Dachbereiches geschaffen wurde. Die Holzteile des Altans sind inzwischen
abgebaut und im Garten gelagert. Die Endpunkte der Treppenwangen wurden mit
Kugeln besetzt. Der Bau ist sparsam dekoriert, Schmuckelemente sind ein Gesims
sowie jeweils zwei Rauputzfelder am Drempel. Man wird diese als Elemente des
Jugendstils auffassen dürfen, die ebenfalls einen Hauch von städtischer
Repräsentation andeuten. Die Innenwände sind aus Fachwerk, die Ausfachungen
mit Lehm aufgemauert, mit Reet bedeckt und verputzt. Das Dach ist in
zeitüblicher Weise mit Schiefer gedeckt, die Giebel sind mit dem
zeittypischen, im städtischen Wohnhausbau vielfach üblichen hölzernen
Zierwerk im Sinne des " Schweizerhauses" des 19 Jahrhunderts
geschmückt. Kleinere Veränderungen sind vor längerer Zeit durch das
Zusetzen eines Fensters an der Ostseite entstanden. Sonst isst alles
weitgehend im Ursprünglichen Zustand erhalten. Das Innere bestätigt diesen
Eindruck. Ein Vorraum mit Treppe , diese mit Holzgeländer und gedrechselten
docken, alles in einfacher Arbeit , wird von zwei Räumen der Erdgeschossen
flankiert. Darin sind z.T. noch Holzvertäfelungen aus der Ursprungszeit
erhalten. Die Küche mit Ausgang zum Garten ( Windfang 9 weist den alten Herd
mit den dazugehörigen Accessoires sowie einen originalen Fußbodenbelag mit
den schwarzen und weißen Fliesen auf, die Wandfliesen mit dem ornamentalen
Abschlussband sind vollständig erhalten. Von der Küche gibt es einen Zugang
zum Keller, der einen Teil des Hauses unterfängt. Das Obergeschoss enthält
zwei Schlafräume, derzeit ungenutzt. Als Nebengebäude hat sich ein kleines
Stallgebäude ( Schweinestall, Hühnerstall ) mit integriertem Abort erhalten,
ein im Umkreis Hamburgs schon seltenes Beispiel, das so recht den ländlichen
Charakter des Anwesens unterstricht. Dem entspricht übrigens die Tatsache,
dass das Haus eine eigene Wasserversorgung ( Brunnen ) hat. Die
Bausubstanz ist zwar angegriffen ( Altan abgängig, Risse , Putzabplatzungen
im Erdreich, Anstrich der Fenster schadhaft, hölzernes Zierwerk beschädigt,
Löcher im Dach, Mängel in der Regenwasserableitung ), im ganzen ist das
Gebäude jedoch noch recht gesund. Es handelt sich um ein für das Ortsbild
von Duvenstedt prägendes Bauwerk, das seinen historischen Charakter
weitgehend bewahrt hat. In seiner Architektur zeigt es die Abkehr von den bis
ins frühe 19. Jahrhundert üblichen Bauformen- man vergleiche das
gegenüberliegende ältere Reetdachhaus des
Hotels Alsterau - und
dokumentiert so den Einfluss der städtischen Architektur auf die ländlichen
Bereiche. Insofern ist es ein charakteristisches Beispiel für das Bauen auf
dem Lande im Weichbild der Großstadt noch vor dem Einsetzen des Heimatstiles,
der gerade gegenläufig ländliches Bauen in die Stadt transportieren wollte.
Die Bauweise mit den z. T. altertümlichen Materialien ist als Beleg für das
Weiterleben von älteren Bautraditionen auf dem Lande zu werten. Das Anwesen stellt eine Gesamtanlage dar. Konstituierende Teile sind das
Gebäude, die Einfriedigungsmauer, die die Uferterrasse zum Straßenverlauf
hin abstützt und das Gelände architektonisch herauspräpariert und damit die
städtebauliche Erscheinung wesentlich mitbestimmt. Dazu gehört auch die in
die Mauer eingelassene Treppe, die zum Haupteingang führt.
Wegen seiner
stadtbildprägenden Eigenschaft und wegen seines dokumentarischen Wertes für
von der Großstadt geprägte Bauweise auf dem Lande zur Zeit der
Jahrhundertwende ist die Gesamtanlage aus geschichtlichen Gründen und zur
Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes als Kulturdenkmal
einzustufen. Ihre Erhaltung liegt im öffentlichen Interesse.
gez. Die Unterschutzstellung erfolgte am 28.05.1996 mit der Eintragung in die
Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg.
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